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Autor Thema: Aussprache, fehlende Mimik, Selbstgespräche, Spontanrede  (Gelesen 1683 mal)

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Offline Bianka

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Aussprache, fehlende Mimik, Selbstgespräche, Spontanrede
« am: 15. August 2014, 13:49:29 »
Die Bedeutung eines Satzes erkennen

Ein Autist kann sich die Bedeutung eines Satzes nicht immer erschließen, sondern nutzt eher die Situation, in der er den Satz hört. Oder aber der Betroffene findet aufgrund der Haupt- oder Tätigkeitswörter die Bedeutung heraus. Dazu ein Beispiel: In einer Unterhaltung sagt eine Freundin zur einer autistisch behinderten jungen Frau: "Morgen fahren wir mit der ganzen Familie nach Bayern in den Urlaub." In diesem Satz haben wir das Tätigkeitswort "fahren" und die Hauptwörter "Familie", "Bayern" und "Urlaub". Die autistische junge Frau hört aus diesem Satz folgendes: "Familie fahren Bayern Urlaub". Aus dem Wort "Familie" schließt sie, dass wohl alle Hausbewohner fahren werden, durch das Wort "Urlaub" kennt sie den Grund der Fahrt und aus "Bayern" leitet sie das Reiseziel ab. Unklar ist noch, wann die Reise losgeht. Hier nutzt die junge Frau die Situation, denn die Freundin schließt gerade einen Koffer. Daher nimmt die autistische junge Frau an, dass die Reise bald, wahrscheinlich morgen oder übermorgen beginnt.

Komplexe Sätze sind ebenfalls missverständlich, da diese zu viele Wörter und/oder Verschachtelungen enthalten.


Aussprache

Die Aussprache kann sehr hoch, sehr leise oder sehr laut sein. Möglich ist auch ein sehr schnelles oder verwaschenes Sprechen. Ebenfalls möglich ist eine singende Sprache. Oder der Sprache fehlt es an Höhen und Tiefen, die Sprachmelodie ist also gleichbleidend, monoton.
Artikulation

Manche Betroffene können gewisse Laute nicht korrekt aussprechen. Da wird aus einem Z schon mal ein "Sch". Es kann sich dabei um Motorikschwierigkeiten des Mundes oder der Zunge handeln.


Sprache ohne Mimik oder Gestik


Autistisch behinderte Menschen sind nicht immer fähig, ihre Gefühle in Mimik oder Gestik zu zeigen. Dadurch vermisst ein normaler Mensch während eines Dialogs auch den einen oder anderen passenden Gesichtsausdruck (Grinsen bei einem Witz und ähnliches). Ferner kann es sogar möglich sein, dass die Mimik im krassen Gegensatz zu dem steht, was ein Betroffener sagt.


Wortschöpfung, Wortverdrehungen


Ein Papagei ist ein Vogel. Aber was ist ein Mamagei? Autisten können zum Teil sehr skurrile Wörter und Bezeichnungen erfinden. Oder sie verdrehen Wörter. Aus Oma wird "Amo" oder aus Kompott "Pottkom". Leider gibt es auch Betroffene, die Schimpfwörtern nicht wiederstehen können und diese ständig wiederholen. Bei dieser Variante kann es sich aber auch um das Tourette-Syndrom handeln, auf das wir unter Autismus + Tourette-Syndrom näher eingehen.


Selbstgespräche während eines Dialogs

Wenn zwei normale Menschen ein Gespräch führen, redet mal der eine, mal der andere. Ein autistisch behinderter Mensch scheut eher den direkten Blick und schaut lieber am Gesprächspartner vorbei. Zusätzlich hat man den Eindruck, als würde der Betroffene zu sich selbst und nicht zum Gesprächspartner sprechen (kein personenorientiertes Sprechen). Die Fachwelt spricht hier auch von einem Fehlen an spontaner
kommunikativer Sprache.



Spontanrede


Autistische Menschen wissen meist nicht, wie sie ein Gespräch führen oder gar eröffnen können. Manche nutzen für die Gesprächseröffnung die Spontanrede. Dazu ein Beispiel: Ein 11-jähriger Junge rennt zur Mutter und ruft aufgeregt: "Die Monster haben alle Energiekristalle gefressen." Jetzt fängt man erst einmal an zu rätseln, was der Junge damit wohl meint. Gut, wenn die Mutter weiß, dass es sich hierbei um ein Computerspiel handelt. Aber es geht ohne Punkt und Komma weiter. "Nur ganz hinten gibt es noch Kristallflöts, aber da kommen die Rock Raiders nicht hin, der Rapid Rider auch nicht..." So geht es weiter, bis die Mutter den Redeschwall stoppt: "Junge, du musst mir erst einmal erklären, wovon du sprichst. Redest du von dem Computerspiel, das du zum Geburtstag bekommen hast?" Der Junge aus dem Beispiel hat einfach vorausgesetzt, dass die Mutter seinen Ausführungen auch folgen konnte.

Quelle: http://www.autismus-wemi.de/autismus/erkennungszeichen/kommunikation.html
Mutter von 3 Autistischen Kindern


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Offline Bianka

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Re: Aussprache, fehlende Mimik, Selbstgespräche, Spontanrede
« Antwort #1 am: 15. August 2014, 13:52:25 »
Wörtliche Wiederholung (unmittelbare und verzögerte Echolalie)

Viele Betroffene neigen dazu, Gehörtes wortgetreu zu wiederholen. Eine Frage wie zum Beispiel "Wo wohnst du?" wird mit "Wo wohnst du?" beantwortet. Auch werden Gespräche oder Teile daraus, Verbote und ähnliches wortwörtlich wiederholt. Die Sprache dient nicht der Kommunikation. Man spricht von einer unmittelbaren Echolalie.

Autistisch behinderte Menschen, die die Kommunikation beherrschen, können ebenfalls Fragen, Verbote oder Gesprächsteile wiederholen. Man spricht dann von einer verzögerten Echolalie. Ein Beispiel: Ein Junge im Alter von 9 Jahren fragt die Mutter: "Darf ich ein Eis haben?" Die Mutter bejaht es. Obwohl dem Jungen sowohl seine Frage als auch die Antwort der Mutter völlig klar ist, wird die gestellte Frage mehrfach wiederholt.


Satzbau, Sätze


Schwer betroffene Autisten sprechen keine ganzen Sätze, nicht einmal Zwei-Wort-Sätze wie etwa "Ball haben", sondern höchstens "Ball". Wieder andere benutzen in ihrer Sprache vorzugsweise Hauptwörter, wobei ihnen nicht klar ist, wie Verhältnis-, Für- oder Bindewörter benutzt werden. Typisch ist dabei auch die falsche grammatische Satzstellung. Wieder andere beginnen einen Satz und brechen mittendrin ab.


Vertausch von Pronomen, Verwechseln von Verhältniswörtern


Vielfach vertauschen Betroffene Wörter wie "Du und "Ich". Auch Verhältniswörter wie beispielsweise "oben" und "unten", "links" und "rechts", "leise" und "laut" werden häufig vertauscht.


Verwechseln von klangähnlichen Wörtern


Kennen Sie den Unterschied zwischen Bäumen und Räumen? Wirklich? Kennen Sie auch den Unterschied zwischen Bäumen und - bitte ganz genau lesen! - räumen? Aha, erwischt! Eben noch wussten Sie ganz genau, dass mit Räumen mehrere Zimmer gemeint sind. Die zweite Variante mit dem klein geschriebenen Wort "räumen" bedeutet hingegen etwas ganz anderes. Beide Varianten des Wortes "Räumen" hören sich genau gleich an, nur aus dem Satzbau ist die genaue Definition erkennbar, doch dazu muss man die Satzstellung auch erkennen. Entschuldigen Sie bitte, dass wir Sie in die Irre führten. Aber so missverständlich die beiden Schreibweisen von "Räumen" sind, so unverständlich sind manche klangähnlichen Wörter für autistische Menschen.

Vergleichen wir jetzt noch einmal Bäume und - das groß geschriebene Wort - Räume. Beide Wörter klingen ähnlich. Bäume sind Pflanzen, ganz klar! Für einen Autisten kann es sich bei diesem gehörten Wort aber ebensogut auch um Räume handeln. In diesem Fall hört es sich so an: "Räume sind Pflanzen." Huch, seit wann gehören die ins Pflanzenreich? Umgekehrt ist es auch möglich, dass ein Autist "Bäume" meint, aber "Räume" ausspricht.


Quelle: http://www.autismus-wemi.de/autismus/erkennungszeichen/kommunikation.html
Mutter von 3 Autistischen Kindern


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Offline momo

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Re: Aussprache, fehlende Mimik, Selbstgespräche, Spontanrede
« Antwort #2 am: 15. August 2014, 18:14:02 »
danke für die Info jetzt hab ich es endlich verstanden :-) und kann sagen kommt mir bekannt vor

 

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