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Auffälligkeiten in der Wahrnehmung

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Bianka:
Sinneswahrnehmung

Ein Mensch hat fünf Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Ein autistisch behinderter Mensch kann diese Sinne teilweise nicht oder nicht richtig einsetzen. Manch ein Betroffener muss an allem schnüffeln oder alles (auch Menschen!) belecken. Er setzt also Nase oder Zunge für eine Kommunikation ein, wo Sprache erforderlich wäre. Andererseits ist es auch möglich, dass ein Betroffener einfach nicht das hört, was ihm mitgeteilt wird oder es falsch versteht bzw. interpretiert. Es gibt weiterhin Autisten, die ihre Augen nicht für eine Kommunikation einsetzen (Menschen beim Reden anschauen). Oder sie nutzen Augenkontakt, um einem anderen Menschen etwas mitzuteilen, wo wiederum das Sprechen sinnvoller wäre.

Auf den Seiten Verhalten und Kommunikation gehen wir auf diese Sinneswahrnehmung näher ein.


Paradoxe Sinneswahrnehmung

Haben Sie schon einmal erlebt, dass sich ein Mensch bei ohrenbetäubendem Lärm die Augen zuhält? Oder haben Sie schon einmal einen Menschen beobachtet, der sich die Hand vor den Mund schlägt, weil er etwas schreckliches gesehen hat oder nicht sehen will? Wenn ja, könnte es sich bei diesem Menschen um einen Autisten handeln, sofern andere Auffälligkeiten hinzukommen. Widersinnige Reaktionen können auch Lachen bei Schmerzempfindungen sein oder Ohren zuhalten, um nichts sagen zu müssen. Die Reaktion auf Sinneseindrücke kann auch ganz anders kombiniert werden als in den genannten Beispielen. In jedem Fall sind die Reaktionen aber ungewöhnlich, der Situation nicht angepasst.

Auf Geräusche reagieren

Autistische Menschen können auf Geräusche sehr unterschiedlich reagieren. Dies kann sich darin äußern, dass zum Beispiel auf laute Töne nicht reagiert wird. Töne, Rascheln, Motorenlärm und ähnliches, selbst Sprache, können sogar Angst auslösen oder es wird darauf sehr ungewöhnlich reagiert.

Umgekehrt kann ein autistisch behinderter Mensch bestimmte Geräusche bevorzugen wie etwa die von Haushaltsgeräten (Waschmaschine, Staubsauger etc.). Begeisterung können auch Klopf- oder Scheppertöne (z.B. Töpfe schlagen) auslösen. Ein Beispiel: Ein Junge im Alter von etwa 13 Jahren dreht den Wasserhahn am Waschbecken immer wieder auf und zu. Es ist für den Jungen faszinierend, nicht nur dem Plätschern zu lauschen, sondern den Wasserstrahl auch zu beobachten.


Auf Gerüche reagieren

Manch ein autistischer Mensch kann gewisse Duftstoffe nicht riechen. Das kann sogar soweit führen, dass die Mutter Gummihandschuhe anziehen muss, um ihrem Kind die Haare zu waschen. Die Mutter darf nach Schweiß riechen, aber es darf ihr kein Duft von Deo, Parfüm und ähnlichem anhängen, nicht einmal an den Händen. Andererseits können gewisse Duftstoffe enorm anziehend sein.

Auf optische Reize reagieren

Ein Betroffener kann von Flimmern und Glitzern oder Objekt- und Drehbewegungen fasziniert sein. Oder es wird ein Modekatalog oder ähnliches Seite für Seite umgeblättert, stundenlang. Auf optische Reize kann aber umgekehrt auch gar nicht reagiert werden. Das heißt: Auf eine Geste wie beispielsweise den Finger vor den Mund halten als Aufforderung zum Schweigen wird nicht reagiert.

Manch ein Betroffener liebt bestimmte Muster und/oder Strukturen eines Objekts. Das kann zum Beispiel die Bevorzugung von runden Gegenständen und die Ablehnung von eckigen Dingen sein. Oder es wird alles abgelehnt, das weich ist oder es wird alles bevorzugt, das glatt ist. Dies sind nur ein paar Beispiele, denn so unterschiedlich Menschen an sich sind, so unterschiedlich sind die Vorlieben und Ablehnungen autistischer Menschen.

Ein anderes Beispiel: Ein Mädchen im Alter von etwa 12 Jahren kann stundenlang auf eine Pfütze starren, dabei die Luftblasen beobachten, die sich - durch ständig niederbrasselnde Regentropfen verursacht - an der Wasseroberfläche bilden.


Unempfindlichkeiten

Manch ein autistischer Mensch empfindet keine Kälte oder trägt umgekehrt im Hochsommer dicke Pullis, empfindet demnach keine Hitze. Ebenso kann es sein, dass die Schmerzgrenze sehr hoch liegt, also kaum oder keine Schmerzen empfunden werden. Gleiches gilt auch für den Geschmacksinn. Insbesondere bei Kleinkindern - und erst recht bei autistisch Betroffenen - ist hier äußerste Vorsicht geboten, da kleine Kinder noch sehr viel in den Mund stecken und nicht zwischen wohlschmeckend und unangenehm oder gar eklig unterscheiden können. Ein normal empfindendes Kleinkind mag noch den Mund verziehen und im Laufe des Lebens lernen, was gut und schlecht schmeckt, ein autistisches Kind nicht unbedingt.

Schmerzen

Ein Betroffener kann dazu neigen, sich selbst Schmerzen zuzufügen. Dies kann sich äußern in Aktionen wie beispielsweise den Kopf auf einen harten Gegenstand aufschlagen, die Haut aufritzen, in Augen oder Ohren bohren, Wunden aufkratzen oder sich selbst ins Gesicht schlagen und ähnliches.

Wahrnehmung von Menschen

Es gibt Autisten, die einem anderen Menschen nicht in die Augen schauen können oder an ihnen vorbeischauen bzw. nur einen kurzen Blick riskieren. Da die Wahrnehmung bzw. Nichtwahrnehmung im sozialen Miteinander auffällig ist, haben wir diesen Bereich dem Sozialverhalten zugeordnet. Lesen sie dazu bitte auch die nächste Seite.

Quelle: http://www.autismus-wemi.de/autismus/erkennungszeichen/wahrnehmung.html

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